Fritz-Thyssen-Stiftung fördert Projekt zur adäquaten Messung der Parteiidentifikation

Seit knapp 40 Jahren wird in der Bundesrepublik das gleiche Maß zur Erhebung der Partei­identifikation verwendet. Bis heute ist strittig, ob dieses Maß die Parteiidentifikation theorieadäquat erfasst, da theoretisch mögliche Sachverhalte wie eine negative oder multiple Parteiidentifikation damit nicht gemessen werden können. Zudem erscheint es geradezu para­dox, dass der wichtigste Indikator des sozialpsychologischen Modells mit einer Operationali­sierung erhoben wird, die die letzten 40 Jahre der sozialpsychologischen Forschung ausblendet.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes möchten Siegfried Schumann und Sabrina Mayer die Operationalisierung der Partei­identifikation überprüfen und alternative Messkonzepte auf ihre empirische Eignung für die Erfassung der Parteiidentifikation in der Bundesrepublik Deutschland un­tersuchen. Hierfür haben sie nun Fördermittel der Fritz Thyssen Stiftung in Höhe von knapp 30.000 Euro erhalten.

Mittels einer dreiwelligen Onlinebefragung sollen erstmals umfassend und syste­matisch verschiedene Operationsmöglichkeiten für die theorieadäquate Messung der Di­mensionen der Parteiidentifikation untersucht und die Phänomene der negativen und multiplen Identifikation miteinbezogen werden. Eine solche umfassende Untersuchung ist bis jetzt in der Bundesrepublik wie auch in den USA unterblieben. Das Forschungsprojekt schließt diese Lücke und könnte somit einen wertvollen Fortschritt für das Verständnis der Parteiidentifikation, einem der wichtigsten Indi­katoren der empirischen Wahlforschung, darstellen.

Das Projekt hat eine Laufzeit von 12 Monaten und startet im April 2013.

Dieser Artikel wurde am 7. Februar 2013 publiziert und unter Aktuelles abgelegt.