Wir forschen und lehren zu Themen der (deutschen) Innenpolitik und der Politischen Soziologie. Dazu gehören vor allem die Wahl-, Einstellungs- und Parteienforschung. Ein besonderer Schwerpunkt unserer Abteilung sind die Gebiete Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus.

Förderung
Leitung: Univ.-Prof. Dr. Kai Arzheimer
MitarbeiterInnen: René Selbach

In dem Projekt „INSIDER – INnere SIcherheit und DEmokratische Resilienz. Bedingungen und Wechselwirkungen polizeilichen Handelns in der pluralen Gesellschaft“ untersuchen Forschungsteams der Universitäten Trier und Mainz aus der Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie das Verhältnis von Polizei und Gesellschaft in Rheinland-Pfalz.

Konkret geht es dem politikwissenschaftlichen Teilprojekt um die Frage, inwiefern sich politische Einstellungen und Wertorientierungen von Polizeiangehörigen von denen der allgemeinen Bevölkerung unterscheiden und inwiefern arbeitsbelastende und andere Faktoren diese Einstellungen bedingen können. Dazu sind zwei standardisierte, computergestützte Befragung aller Angehörigen der Polizei in Rheinland-Pfalz geplant. Erfasst werden sollen neben den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten ausdrücklich auch beamtete und angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung im Geschäftsbereich der Polizeipräsidien.

Ziel des gesamten Projektes ist es, konkrete Handlungsempfehlungen zu nennen, wie Vorurteilsmustern bei Polizistinnen und Polizisten sowie gesellschaftlichen Gruppen präventiv begegnet werden kann. Dazu sollen die Forschungsergebnisse in der Ausbildung von Polizeikräften genutzt werden. Die Forschungsstelle der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz unterstützt die auf drei Jahre angelegte Studie. Gefördert wird die Studie vom Ministerium für Inneres und Sport des Landes Rheinland-Pfalz.

Leitung in Mainz: Dr. Jasmin Fitzpatrick

Against the backdrop of various crises (democratic, security, immigration, and climate change) marked by a continuing high level of mistrust of politics and the traditional media, are digital tools – particularly social networks – gaining in importance and influence during elections? Against the backdrop of a fast-changing online campaigning environment, increased mis/dis-information and AI generated content, this project explores the influence of digital and legacy media on the attitudes and electoral behavior of the citizenry in the 2024 European Parliamentary Elections across eight European countries.

To do so, the project conducts an online post-election survey examining the persistent role and importance of traditional drivers of electoral participation and choice (age, socio-professional category, gender, level of education, wealth, relationship to religion). It also looks at the influence of the (digital and legacy) media and digital campaign on the political efficacy and voting behavior of citizens. In order to answer these questions, an online survey was carried out among a representative sample of the population in seven European countries in the weeks following the election (10/06/2024 onwards). This post-election national survey will be used for both scientific publications and popular dissemination, particularly in the media. Once the main outputs have been published, the research data will then be made available to the scientific community via a data warehouse that complies with FAIR principles, as part of an open science approach.

Leitung: Dr. Alexandru Filip


Dr. Alexandru Filip hat sich in der Vergangenheit mit dem Thema Euroskeptizismus sowie mit der Erforschung des so genannten Globalisierungstrilemmas beschäftigt: dem Grad, in dem Länder alle drei Aspekte – nationale Souveränität, liberale Demokratie und Globalisierung – ausbalancieren und verfolgen können.

In seiner bisherigen Arbeit hat Dr. Filip die Trends der so genannten „Euroseptic Contagion“ erforscht, indem er die Art und Weise, in der der Erfolg euroskeptischer Parteien das Verhalten der Mainstream-Parteien beeinflussen kann, beschrieb. Weitere Arbeit in diesem Forschungsfeld untersuchte auch die Art und Weise, wie integrative und exklusive Identitätsmerkmale bei Individuen die Neigung zur Unterstützung radikaler politischer Parteien erklären. Während seiner Zeit an der Hertie School of Governance arbeitete Dr. Filip daran, das Ausmaß zu beschreiben, in dem Länder es schaffen, das oft widersprüchliche Streben nach nationaler Souveränität, den Schutz des sozialen Zusammenhalts, die Bewahrung der liberalen Demokratie und die Verpflichtung zur wirtschaftlichen Globalisierung zu navigieren. Seine Arbeit kartierte die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Belastungen, denen Länder gemäß dem besagten „Globalisierungsparadoxon“ ausgesetzt sind, und deren Folgen.

Im kommenden Jahr wird Herr Filip an einer Reihe von Artikeln arbeiten, in denen er die Dynamik des Partei-/Stimmenwechsels erforscht sowie die mit diesen Trends verbundenen Wählerschaften genauer untersucht (und vergleicht).

Die gemäßigten Mainstream-Parteien erleben einen Rückgang ihrer Wählerunterstützung, da sich immer mehr ihrer Wählerschaft von der Politik abwendet, sei es wegen der Globalisierung, der Einwanderung, der zunehmenden Ungleichheit, der Umwelt, der allgemeinen Apathie und Parteiverdrossenheit. Bedeutende Teile dieser Wählerschaft verlassen jedoch nicht die politische Bühne, sondern geben ihre Stimme stattdessen politischen Akteuren außerhalb des etablierten Mainstreams, wie der extremen Rechten, grünen Parteien oder neuen sozialliberalen Parteien.

Diese Wähler und Wählergruppen sind jedoch vielfältig und variieren in ihren Motivationen, ebenso wie die (Ziel-)Parteien, denen sie ihre Stimme geben“. Diese Forschungsagenda wird untersuchen, welche dieser verschiedenen Wählergruppen zu welchen anderen Parteien überlaufen (und die Themen erforschen, die solche Verschiebungen verursachen), und die soziodemografischen, wirtschaftlichen, kulturellen und ideellen Merkmale dieser Parteiwechsel-Dynamik untersuchen.

Förderinstitution: COST Association /EU

Leitung in Mainz: Dr. Jasmin Fitzpatrick (Vice Chair of the COST Action)

The RELINK2 Action will intensify existing networking efforts of scholars from different disciplinary backgrounds and countries in the EU and beyond, to address two problems:

(1) How can democracies regain legitimacy and rebuild the link between representative institutions and citizens using the benefits of digital technologies?

(2) How can political organisations connect with digitally marginalised but politically active groups (the elderly) and with digitally active but politically marginalised ones (young citizens)?

In this regard, RELINK2 aims to find answers to three research gaps: a) the main organisational consequences of the digital transformation and their impact on re-linkage strategies, b) effectiveness of digital transformations in re-connecting intermediary structures with society, c) implementation of political organisations’ re-linking strategies to marginalised groups based on responsible use of digital tools. This requires an interdisciplinary and coordinated analytical framework.

The network will tackle challenges through research coordination objectives. Four Working Groups will be formed to bring in expertise on: 1) theoretical and 2) methodological challenges, 3) empirical analysis, 4) engagement and dissemination.

RELINK2 will provide new opportunities to strengthen the career development of specific target groups and disseminate knowledge to countries and political organisations with less capacity in the field of the Action.

The practical implication of the Action is to create impact beyond the network. RELINK2 will develop a strong cooperation with stakeholders to integrate a non-academic point of view, identify good practices, and prepare recommendations. The Action aims to meet its objectives through a knowledge production and exchange with relevant stakeholders.

Leitung: René Selbach, M.A.

Während die Parteiidentifikation als eine der stärksten Determinanten zur Erklärung von Wahlentscheidungen im Allgemeinen gilt, wurde sie lange Zeit unterschätzt, wenn nicht gar ignoriert, wenn es um die Erforschung des Wahlverhaltens zugunsten radikal rechtspopulistischer Parteien geht. Neuere Studien heben die Bedeutung der Parteiidentifikation hervor, indem sie argumentieren, dass fehlende Identifikationen mit etablierten Parteien oder sogar negative Einstellungen gegenüber diesen Parteien notwendige Voraussetzungen für die Wahl populistischer Parteien sind. In Westeuropa ist es jedoch die radikal rechtspopulistische Parteienfamilie, die die größte Ablehnung in der Bevölkerung erfährt. Im Gegensatz zur Gruppe der Wähler*innen radikal rechtspopulistischer Parteien dürfte die große Gruppe derjenigen, die negative Einstellungen gegenüber einer radikal rechtspopulistischen Partei besitzen, sehr heterogen sein. Wähler*innenheterogenität ist in der Literatur zwar sehr wohl bekannt, wird aber nur selten adäquat modelliert. Ziel des Dissertationsvorhabens ist es daher, den Forschungsstand zu negativer Parteiidentifikation und Wähler*innenheterogenität im Kontext der Forschung zu Wahlverhalten und radikal rechtspopulistischen Parteien zu kombinieren, um folgende Fragen zu beantworten: Welche Faktoren führen zu einer negativen Parteiidentifikation gegenüber rechtspopulistischen Parteien, inwieweit variiert die Stärke der Faktoren zwischen verschiedenen Subgruppen des Elektorats und was sind die Konsequenzen der negativen Parteiidentifikation gegenüber radikal rechtspopulistischen Parteien für das Wahlverhalten im Allgemeinen? Um diese Fragen zu beantworten, werden repräsentative Umfragedaten mit Hilfe von fortgeschrittenen Analysetechniken, wie multiple Gruppenvergleiche und Strukturgleichungsmodelle, ausgewertet.

Elektorale Integrität in Deutschland: Eine Neueinschätzung der Qualität demokratischer Wahlen aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger

Leitung: Dr. Paula Windecker (Promotionsprojekt)

Das wissenschaftliche Konzept, das genutzt wird, um die Qualität von Wahlen zu bestimmen, heißt elektorale Integrität. Bestehende Forschung stützt sich vor allem auf Expertenumfragen und fokussiert sich auf defekte Demokratien und semi-demokratische Systeme, um elektorale Integrität zu messen und ihre Determinanten und Konsequenzen einzuschätzen. Messinstrumente, die elektorale Integrität aus Sicht der Bevölkerung erfassen sind weniger feingliedrig und weisen oftmals erhebliche Schwächen auf. Außerdem herrscht keine Einigkeit über die Definition elektoraler Integrität, was die Validität von bestehenden Messinstrumenten weiter in Frage stellt. Daher bleibt unklar, wie Bürgerinnen und Bürger elektorale Integrität wahrnehmen, besonders in etablierten Demokratien, in denen Experten elektorale Integrität zumeist sehr hoch einschätzen.

Kampagnen populistischer Initiativen und Parteien, sowie technisches und menschliches Versagen im Zusammenhang mit der Durchführung von Wahlen, zusammen mit Entwicklungen, die in Deutschland und anderen etablierten westlichen Demokratien zu beobachten sind, wie starke Stimmverluste für etablierte Parteien, soziale Polarisierung, Politikverdrossenheit und die Nutzung neuer, alternativer Formen der Partizipation, könnten sich in differenzierteren und möglicherweise ambivalenteren Einschätzungen der Bevölkerung zu elektoraler Integrität niederschlagen als Expertenurteile vermuten lassen. Das macht Deutschland als Musterbeispiel für ein hohes Maß elektoraler Integrität in Expertendarstellungen zu einem spannenden Fall für mein Projekt. Wie nimmt die deutsche Bevölkerung elektorale Integrität wahr? Ziel meines Dissertationsprojektes ist es diese Einschätzungen in all ihrer Differenziertheit mithilfe eines neuen Messinstruments sichtbar zu machen. Ausgangspunkt ist eine kritische Evaluierung des Konzeptes und der vorherrschenden Definition elektoraler Integrität, bevor ein neues Messinstrument entwickelt, empirisch getestet und angewendet wird. Dabei kommen sowohl klassische Methoden der Umfrageforschung als auch Umfrageexperimente zum Einsatz

Politische Parteien im Kontext technologischen Wandels

Dr. Jasmin Fitzpatrick (Habilitationsprojekt)

Technologische Errungenschaften verändern menschliches Zusammenleben. In der politikwissenschaftlichen Auseinandersetzung kann der Fokus darauf liegen, wie Technologien Prozesse wie etwa Wahlen oder Abstimmungen verändern. Aber auch inhaltlich betrachtet können Technologien Gegenstand politikwissenschaftlicher Fragestellungen sein. Technologien polarisieren nicht nur innerhalb von Gesellschaften, wenn es um ethische Standards bezüglich ihrer Verwendung geht.  Auch mit Blick auf ihre universelle Verfügbarkeit besteht immer wieder Diskussions- und Forschungsbedarf, denn unmittelbar damit sind Ungleichheits- und Gerechtigkeitsfragen verbunden (z.B. O’Neil 2017, Eubanks 2018).

Bereits seit den 1960er Jahren hat sich ein sozialwissenschaftlicher Forschungsbereich mit der Verbreitung von Innovationen auseinandergesetzt (Rogers 2003), der verschiedene Bereiche technologischer Entwicklungen abdeckt (z.B. auch die Ausbreitung von Düngemitteln in der Landwirtschaft). Das vorliegende Forschungsprogramm nimmt eine Mesoperspektive ein, indem es den Fokus auf Adaptationsprozesse politischer Organisationen legt. Technologischer Wandel wird dabei in zwei Facetten berücksichtigt: (1) Digitalisierungsprozesse politischer Parteien und (2) Reaktionen politischer Akteure auf den technologischen Wandel. Diese Facetten fokussieren unterschiedliche Bereiche der Politikwissenschaft und adressieren innerhalb dieser Fragestellungen, die den eingereichten Schriften zugrunde liegen.

Im aktuellen Semester werden folgende Lehrveranstaltungen vom Bereich angeboten:

  1. Basissem Das politische System der BRD
    Dozent:in: Dr. Alexandru Filip; Dr. habil. Jasmin Fitzpatrick; Anna Lopatina; Dr. Paula Hanna Windecker
  2. Einf. BA Politikwissenschaft/BEd Sozialkunde: Einführungsveranstaltung für Erstsemester und Hochschulortwechsler
    Dozent:in: Fabio Best; Univ.-Prof. Dr. Helen Callaghan; Dr. habil. Jasmin Fitzpatrick; Dr. Cornelia Frings; May Jehle; Sabine Schmidt; Dr. Annette Schmitt; Dr. Christoph Wagner
  3. KG (MA) Forschungsmethoden (Politik- und Demokratieforschung)
    Dozent:in: Dr. Alexandru Filip
  4. Koll Examenskolloquium Bereich BRD
    Dozent:in: Univ.-Prof. Dr. Kai Arzheimer
  5. Praktikum Bachelor- und Masterstudiengänge
    Dozent:in: Dr. Alexandru Filip; Dr. Annette Schmitt; Dr. Nils Steiner
  6. Sem (BA/MEd) Internet und Politik
    Dozent:in: Dr. habil. Jasmin Fitzpatrick
  7. Sem (MA) Politische Ökonomie der Dekarbonisierung
    Dozent:in: Anna Hehenberger
  8. Sem (MA) Wahlen in Deutschland und Europa
    Dozent:in: Univ.-Prof. Dr. Kai Arzheimer
  9. Sem BQ Landtagssimulation (Zimon)
    Dozent:in: Univ.-Prof. Dr. Kai Arzheimer
  10. V (MA) Forschungsmethoden
    Dozent:in: Univ.-Prof. Dr. Kai Arzheimer
  11. V Einführung in das politische System der BRD
    Dozent:in: Dr. Alexandru Filip
  12. V Ringvorlesung: Weck Worscht & Wahl – Facetten der Landtagswahl Rheinland-Pfalz
    Dozent:in: Johannes Heid; Verena Olivia Noodt; Hannah Schilling

WiSe 2025/26